Abenteuer pur – Aventures africaines

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Wildes Land

(„Zo kûê zo“: Jeder Mann ist ein Mann)

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Im März 1988 erfüllte sich für mich ein weiterer Kindheitstraum dem ich mit einem einzigen Wort einen Namen geben kann, mit einem Wort welches nachhaltig in meinen Gedanken wiederhallt, ein Wort das meine Seele erquickt und jede Parzelle meines Körpers vibrieren lässt.

Afrika.

Das Einsatzgebiet unserer Kompanie war das raue Land im Norden der Zentralafrikanischen Republik.

Ein Gebiet in der Grenzregion zum südlichen Tschad in dem sich Banditen, Abenteurer, Sénoussiten, (Anhänger des Sultan Sénoussi / arabischer Sklavenjäger der von seinem Palast Tata aus seine Raubzüge und Razzien anführte), Waffenschmuggler, Menschen- und Elfenbeinhändler die Hand gaben, ein Territorium das dem Unentschlossenen und dem Schwachen keinen Platz einräumte.

Unser Hauptquartier befand sich in Bouar, einer Stadt mitten in der Savanne. In Bouar, gebaut auf sanften Hügeln, erinnerte man sich nur allzu gut und gerne auch an den blutigen, drei Jahre dauernden Kongo-Wara Aufstand von 1928. Die schwarze Bevölkerung hatte sich zu Recht gegen die Französischen Kolonialherren erhoben: Zu hart uns ungerecht war ihr Los!

Die menschenunwürdige Kopfsteuer, die  Zwangsarbeit an der Congo Ozean Eisenbahnlinie,  die Portage (junge Männer wurden unter Zwang zu Kuli- und Tragediensten eingeteilt) und nicht zuletzt das Konzessionäre Regime das die Afrikaner nicht wollten – führten zu diesem Aufstand dem man auch den Namen Révolte de la Haute-Sangha gab.

Für uns, den damals hauptsächlich jungen Legionären, war die Zeit im Norden der zentralafrikanischen Republik Abenteuer pur. Uns war als hätte man uns in eine andere Zeit katapultiert, hätte die Uhr um ein Jahrhundert zurückgedreht. Die Einsätze führten uns tief in die Savanne, wo wir mit Wilderern ebenso konfrontiert wurden wie mit Banden von Straßenräubern. Wir drangen auf dunklen Pfaden in ihr Gebiet ein, säten Unruhe, hatten eine Nachricht für sie die da hieß

„Seid besorgt! Seht hinter euch – und habt keine Minute einen ruhigen Schlaf!“

Das Essentiellste jedoch, das was uns – zumindest mir – ewig im Gedächtnis bleiben würde, waren diese grandiosen Landschaftsbilder, der schier unglaubliche Tierreichtum und die Faszination Mensch.

In den Folgejahren lernte ich im Nationalpark der Gounda (früher Koumbala oder später dann St. Floris National Park) einen Mann kennen, der mich nachhaltig beeindruckte: Matthieu Laboureur.

Matthieu ist Großwildjäger, gnadenloser Kämpfer gegen den Elfenbeinhandel und ein absoluter Kenner der Tiere, der Savanne und der Jagd schlechthin. Er ist auch Autor. Sein letztes Buch – ein atemberaubende Geschichte über sein Leben in der Savanne  mit dem Titel SANS DEFENSE ist ein Muss!

Wie bereits sein Vater – Jean Laboureur – liebt Matthieu die Tierwelt, die Weite der Savanne, Afrika und die Afrikaner deren Sprache -und sogar sämtliche Dialekte der verschiedenen Ethnien – er vollkommen beherrscht. Wie schon in meinem Buch: Die Legion – Mit dem 2e REP in den Krisenherden dieser Erde – erwähnt, wuchsen die Kinder Matthieus ebenfalls auf dem Anwesen mitten im Busch auf, und spielten normale europäische Kinder damals in städtischen Hinterhöfen mit Hunden und Katzen, so waren es nicht weniger als Löwen und Geparden die Matthieus Kinder als Kuscheltiere dienten. Seine Frau, schlank, charismatisch und ebenfalls von dem Geist eines Abenteurers durchdrungen, stand Matthieu um nichts nach.

Faszinierend!

Eine weitere Begegnung, die mich bereicherte und die, so Gott wollte, etwa 100 Kilometer von Ndéle entfernt auf der Farm Matthieus stattfand, war die mit einer Deutschen.

Elke G. hatte den Mut einer ganzen Generation. Als freiwillige Schwester der Kongregation des Heiligen Geistes, die in Ndéle eine Mission (Mission Catholique) unterhielt, kam sie mir vor wie eine Vorreiterin von Selbstlosigkeit von Mut und von Menschlichkeit.

Elke kümmerte sich: Pflegte Menschen gesund, half bei Geburten, legte Verbände an und brachte den Menschen die französische Sprache bei (Dass sie selbst neben Deutsch auch noch französisch, englisch und Sango sprach verstand sich von selbst!). Jahrelang als Frau im Busch konfrontiert mit Cholera und Malaria, mit Banditen (und Legionären wie mich!), mit schlechtem Wasser und mit Schlangen, Skorpionen und auch mit dem Wissen: Sollte es schlimm kommen – würde Ihr Schicksal  vielleicht niemanden interessieren!

Das sind Geschichten die das Leben schreibt – das ist das Leben!

Hut ab – Chapeau!

Et … vive la Légion!

 ***

Nach der Zentralafrikanischen Republik (1988) war das Horn von Afrika mein nächstes Abenteuer.

In den Folgejahren sollte mich das Schicksal noch vier mal hierher verschlagen. Ich hatte viel von Djibuti gehört doch was ich hier erlebte stellte alles was man mir erzählt hatte in den Schatten.

Unser Basiscamp war hoch oben in den Bergen, dort wo ein immer kühler Wind die Hitze gnädiger erscheinen ließ als sie es tatsächlich war.

Hier in Arta im Camp Amilakvari, verschachtelt zwischen abrupten Steilhängen – kam einem dieses Quartier der Legion wie ein Adlerhorst vor der hoch oben wie ein einsamer Sentinel über den Golf von Tadjoura wachte.

Den Namen hatte das Camp von Oberstleutnant (lieutenant-colonel) Dimitri Amilakvari, einem georgischen Prinzen der kurz nach dem 1e Weltkrieg mit seiner Familie vor der heranrückenden Roten Armee flüchteten musste und anschließend in Frankreich Exil suchte. (Siehe: Die Legion – Mit dem 2e REP in den Krisenherden dieser Erde.)

Er besuchte die Offiziersschule Saint-Cyr, wurde 1926 in die Fremdenlegion abkommandiert (1e RE Siddi Bel Abbès) und fiel im Oktober 1942 als Kommandeur der 13e DBLE (13te Halbbrigade der Fremdenlegion – heute stationiert in Djibuti) an der Spitze seiner Einheit in der Schlacht um El-Alamein (Ägypten).

***

Hier im Land der Afar und Issa waren auch ein gewisser Henry de Monfreid (Abenteurer und Schriftsteller) oder noch der Dichter Arthur Rimbaud lange Zeit in zweifelhafte Geschäfte verwickelt gewesen.
Das ganze Land war vulkanischen Ursprungs. Wild, heiß und schön, war es für einen Mann immer schon eine Herausforderung. Eine Herauforderung zum Tanz mit dem Tod!Die Fremdenlegion unterhält hier die härteste Kommandoschule der Erde – das CECAP (Centre Entrainement Commando Arta Plage), die Brigade selbst ist Spezialist im Wüstenkampf.

Unsere Manöver – Gefechtssprung mit anschließenden Gewaltmärschen ins Landesinnere – glichen einer Tortur denn im Sommer stiegen die Temperaturen bis um die 55 Grad Celsius und noch weit nach Mitternacht herrschten manchmal Temperaturen um die 35 Grad.

Das rote Meer, besonders oben im Norden wo der Bab-el-Mandeb die Passage in den indischen Ozean bildete, in einer Region die malerisch schön und seit uralten Zeiten eine Zuflucht für Somalische Piraten war, konnte, was Fischreichtum anbelangte, von keinem anderem Gewässer übertroffen werden.
Die Stadt Djibuti war ein Melting Pot von ebenso verschiedenen wie aufregenden Kulturen und Menschen: Somalier, Äthiopier, Affar und Issa, Franzosen und Jemeniten; Chinesen; Rumänen … die Liste kann unendlich lange fortgesetzt werden.

Die Mädchen – besonders die Äthiopierinnen – waren von einer kaum zu übertrefflichen Grazie und Schönheit und nie habe ich stolzere Männer gesehen wie die Afar … Oben in den Bergen bei Randa, im Daywald oder in Yoboki.
Salzkarawanen vom Lac Assal kommend ziehen sich nach Westen, rote Flamingos legen sich wie ein Teppich auf den Lac Abbe und eine uralte Eisenbahnlinie, gebaut 1894, verbindet auf einer 784 Kilometer langen Strecke Djibuti Stadt mit Addis Abeba.

Die Stadt Tadjoura ist bis vor kurzem noch Umschlagplatz für Sklavenhandel gewesen, und der Teufelsschlund der Ghoubbet al Kharab versetzt mit seinen mysteriösen Untiefen heute noch alle Einheimischen in Angst und Schrecken.

Der Ras Syyan – der Wächter über die Sieben Brüder – zählt mit zu den schönsten Landschaften die ich je gesehen habe, doch nun stopp: Die Abenteuer welche ich in Djibuti erlebte sind in meinem Buch – Die Legion – Mit dem 2e REP in den Krisenherden – ausführlich beschrieben.

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5 thoughts on “Abenteuer pur – Aventures africaines”

  1. Wunderschöne Dokumentation. Ich glaube besser kann man es nicht darstellen und beschreiben.

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