Es war ein mal….!

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dragon

Oktober 1844, Algerien

Gründung der Stadt Sidi-bel-Abbès Wiege der Fremdenlegion.

In seinen Ursprüngen war Sidi-bel-Abbès nichts anderes als ein winziger Außenposten mitten im Nirgendwo. Ein schäbiger Versorgungspunkt für die Truppen, nicht mehr.

Für Truppen die im Mékerra Tal operierten. 1840 wurde dieser Posten von den Legionären zunächst als Biwakplatz, und drei Jahre später dann zu einer richtigen Befestigung ausgebaut. Man gab ihm den Namen Biscuit-Ville.

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Oktober 1844 quartierte sich in Biscuit-Ville ein Teil des 1er Régiment Étranger ein und bald schon wurde ( nicht zuletzt durch den Einfluss der Marketender und Kaufmänner ) eine richtige kleine Stadt daraus.

Eine königlicher Erlass von 1847 verfügte, dass Sidi-bel-Abbès fortan ein militärischer Stützpunkt sowie die Provinzstadt sein sollte.

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Der Hauptmann (capitaine) der Pioniere PRUDON legte 1848 das Projekt und den Plan der neuen Stadt vor. Es sollte eine Befestigung von insgesamt 42 Hektar werden die in zwei Zonen geteilt wurde: Eine Zivile und eine Militärische.

Bis 1856 waren es ausschließlich Fremdenlegionäre welche die Stadt mit ihren Händen (und mit ihrem Herzblut) erbauten und sie waren es auch welche die neue Stadt administrativ unter ihre Fittiche nahmen.

Als dann später zivile Beamte Hand auf die Stadt legten fanden sie eine florierende Stadt mit Märkten, vielen Häusern, mit einem gutgehenden Handel und sogar einem Mehl- herstellenden Industrie.

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Die Legion hatte ihren Auftrag ausgeführt, blieb aber dennoch.

Das Quartier Viénot in Sidi-bel-Abbès wird zum Dreh und Angelpunkt der Legion und bleibt es bis 1962.

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Meine wärmsten Gedanken gehören all jenen Fremdenlegionären  (Hommes du rangs – Mannschaftsdienstgrade) die  – ohne dass ihr Name jemals in einem Bericht erwaehnt wird – fernab von ihrer Heimat, durch ihren Willen, und durch ihre Arbeitskraft, mitten im Nichts eine Stadt erbauten, ein Wunder vollbrachten.

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„Adieu, adieu, oh Bel-Abbès!“

… et puis?

… dann kam die Zeit nach dem großen Krieg!

Nach dem Krieg ist (leider) immer vor dem Krieg!

Niemand weiß das besser, als einer unterm Képi Blanc!

Sidi-Bel-Abbès war mehr denn je Wiege, Ausgangspunkt aber auch Endstation für alle Legionäre weltweit.

Die Kasernen und Unterkünfte liegen links und rechts des Boulevard Général Rollet.

Das Quartier Viénot in dem der Voie Sacrée (heiliger Weg) zum Monument aux Morts, (dem Ehrenmal der Fremdenlegion)  hin verläuft kennt keine Ruhe, jetzt schon gar nicht!

Ganze Einheiten und Rekruten aufnehmen, ausbilden, immatrikulieren, aussondern und Löcher stopfen … Löcher dort wo eine Kugel sie geschlagen hat: In Narvik, in Nghia Lo, an  der kühlen Westfront oder in einer heißen Bergregion in Tonkin am Fleuve Rouge,  am roten Fluss!


… im Quartier Viénot in dem auch das Museum der Legion diskret im Schatten hoher Bäume liegt, dort wo die Druckerei des Magazins Képi Blanc schlicht, bescheiden den Ruhm verkündet – den von Einst, den auch, der sich gerade erst verdient, und den, der nicht sichtbar jeden Einzelnen individuell angeht … trauriger Ruhm, manchmal: Allein hinausgeschrien, still verarbeitet, zusammen ausgeschwiegen, unter den Tisch gekehrt.

Trauriger Ruhm manchmal … Warum dies? Warum das? Ich hätte doch! Habe ich es richtig gemacht, ja und wenn? …  Ruhmes unrühmliche Gedanken, geboren und untergegangen im Gewühl und der Phrenesie verletzter Seelen, ersoffen in der Flut des ganz normalen Wahnsinns, unseres Alltags – Im Alltag eines Legionär der so anders ist, als der Alltag eines Jenen, der nie gedient hat … Vert et Rouge! Oft auch… und Gott mit uns –  Rot und Grün 

Sidi-Bel-Abbès – Parade, jeden dritten Samstag im Monat. Die Musik läuft vorne weg. Musique Principale de la Légion Étrangère – Pauken und Tamboure, Chapeau chinois – verziert mit dem Pferdeschwanz!  Traditionell ist er …  der Brauch mit dem Pferdschwanz, und ergattert derselbe durch einen Akt der Bravur!

Schicke Uniformen – Cravate verte et Képi Blanc – blinkende Knöpfe, und dahinter?

Unter der Uniform?

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Ein Junge aus Schlesien!

Hans aus Baden-Baden und Karlheinz frisch von der Ostfront!

Ein Pastor! … der nicht mehr beten konnte angesichts der Misere im alten, zerbombten in Schutt und Asche liegenden Europa, weil ihm dann die Tränen kamen! Kämpfen will er! Selber was tun! Raus!

Herr Student – Herr Habenichts und Monsieur le Prince!

… ein Schriftsteller!

Und Poet!

Herr Minister!

Ein Vagabund – Eure Exzellenz!

Man marschiert im Schein Bengalischer Feuer – langsam 88 Schritt pro Minute – zuerst zu den drei Prinzen der Stadt: Dem Bürgermeister, dem Préfet und zum Regimentskommandeur!

… die Gedanken woanders – dort, wo der Donner grollt!

Saigon, Hanoi, Nghia-Lo, Hieu-Tu, Lang-Son, Coc-Xa, Sin MA Ky, Lao-Kay, Ky-Lua, Loc-Binh  ….

… DIEN BIEN PHU …

Gute alte Tante Ju 52

Et le jour vient, oh Bel-Abbès

… der Tag, als am 08ten Mai 1954 das 1e R.E. geschlossen antrat um eine erschütternde Nachricht aus dem Mund des Colonel Gardy zu hören. Eine Nachricht über Ereignisse die sich 12000 Kilometer weiter östlich abspielten … dort wo die Fallschirmjägerbataillone der Legion, das 1e B.E.P. und das 2e B.E.P. und so viele andere Einheiten der Fremdenlegion und der C.E.F.E.O. (Corps Expéditionnaire Français en Extrême-Orient / Französisches Expeditionskorps Extrem Orient)  ihren letzten Kampf gegen General Giaps  Viét Minh fochten.

***

„Dien Bien Phu vient de tomber! Nous sommes réunis pour rendre hommage au sacrifice de ceux qui sont tombés au cours de cette lutte épique. Nous allons présenter les armes aux drapeaux qui ont disparu dans la bataille“

„Dien Bien Phu ist gefallen! Wir sind hier und jetzt vereint um den Opfern unsere Hochachtung auszudrücken, den Legionären, gefallen in einem epischen Kampf. Wir werden den Flaggen der in der Schlacht untergegangenen Einheiten unsere Waffen präsentieren.“

Aux Morts!

Zur selben Minute, überall auf der Welt stand die Fremdenlegion wie ein Mann, waren die Gedanken aller Legionäre

… bei denen in der Dschungelfestung gefallenen

… bei denen die in die Gefangenschaft gingen

… bei denen, die am Körper und in der Seele tiefe Wunden erlitten.

Eine Gewissheit bleibt: Der Ésprit, der Korpsgeist der Fremdenlegion ist ungebrochen, besteht weiterhin, gestern noch in Afghanistan, heute an der Elfenbeinküste, morgen überall dort, wo die Demokratie und die Werte aller Europäer  und aller Freiheitsliebenden Menschen bedroht sind.

More Majorum

 ***

Neue Horizonte!

Das, wogegen das 1e R.E.P. – das erste Fallschirmjäger Regiment der Fremdenlegion – sich sträubte – gewillt war sich zu opfern (Der Putsch der Generäle wird noch Thema einer speziellen Seite auf diesem Blog) wurde wahr.  Im Juli, 1962 erhält Algerien seine Unabhängigkeit. Es war eine Logik – wenn auch eine dramatische – dass es so kommen würde, so kommen sollte.

Die A.L.N. (Armée de Liberation Nationale / Nationale Befreiungsarmee) der bewaffnete Arm der F.L.N. (Front de Libération Nationale / Nationale Befreiungsfront) bezieht als Sieger sein Quartier in Sidi Bel Abbés … in dem Ort der bis Dato und seit annähernd 130 Jahren die Hochburg der Fremdenlegion war.

Trauriges Sidi Bel Abbés.

Man packt die Koffer. Alles kommt mit: Die hölzerne Hand des capitaine Danjou, der Säbel des Präsidenten Juarez – Chef der Mexikanischen Widerstands zu Zeiten des Kampfes Camerone, die Asche des amerikanischen Legionärs Moll.

Natürlich das Monument aux Morts mit seinen 80 Tonnen.

Ein letztes Mal marschiert die Fremdenlegion am 30ten April zur Camerone Feier durch die Straßen von Bel Abbés. Alle Einwohner waren da – niemand blieb zuhause an diesem Tag.

Man wollte kein Geschrei, keinen Jubel, keine Tränen. Man wollte – wie immer – stolz und aufrecht marschieren … unter einem Blumenregen geschah es dies Mal, und … göttliche Fügung? inmitten von ganzen Schwärmen von Schmetterlingen die, wer weiß woher kamen. Wieso hatten sie ihren Weg gerade heute, gerade zu dieser Stunde zum Platz Carnot und zur Rue Prudon gefunden?

Am 24ten Oktober konnte man einer ganz besonderen Zeremonie beiwohnen. Die Legion verließ das Quartier Viénot definitiv. Siebenhundert Legionäre des 1e R.E. waren versammelt und im abendlichen Dämmerlicht wurde eine Flagge verbrannt. Eine große Flagge ganz aus Seide. Man hatte sie im Jahr 1885 in Tuyen Quang von den Chinesen genommen und Capitaine Borelli, der sie dem Museum der Legion geschenkt hatte, tat dies nur mit der Auflage, dass, wenn die Legion einst Sidi Bel Abbés verlässt die Flagge hier bleiben muss.

Es war Ehrensache die Leichname ZUMINDEST dreier LEGIONÄRE nicht in Algerien zu lassen, und so wurden General Rollet – Vater der Fremdenlegion –  Prinz Aage von Dänemark und der Legionär Heinz Zimmermann aus ihren Gräbern geholt – nach Aubagne und von dort aus nach Puyloubier überführt. Ein Privileg, das andere nicht hatten – man musste sich den Dingen wohl beugen und so blieben auf dem Friedhof der Legion einige hundert Legionäre zurück – liegen heute noch im Schatten der kühlen Mauern begraben – dort, in Bel Abbés.

In Aubagne fand sich auch ein Platz für das Ehrenmal, einer fürs Museum und ein Örtchen für das Magazin Képi Blanc.

Adieu, oh Bel Abbés – Petit Paris wie Napoleon die Stadt nannte – Wiege der Fremdenlegion!

… adieu Place de Marechal de Lattre de Tassigny, und Adieu Boulevard des quatres Horloges.

Adieu Boulevard General Rollet, bis irgendwann les Faubourgs Thiers, Marceau,

Ciao Pont Gabriel-Péri.

Lebwohl Algerien.

Adieu Souvenirs … es geht weiter, die Legion marschiert, anderswo.

Aubagne – Calvi – Djibuti – Mayotte und Tahiti

Et puis …

„….. combien d’fois l’a t’on parcourue cette petite piste!“

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4 thoughts on “Es war ein mal….!”

  1. … top seite … lehrreich und – für die vergesslichen unter uns – „rafraichissant la mémoire … bravo, glückwunsch … !

  2. Salü Thomas!

    Ich habe seit gut einem Halben Jahr auch dein neues Buch in Meiner Sammlung (was die Legoin ) betrifft einverlerleibt.

    Da ich mich aus Persönlichen Gründen auch mit der Legin Beschäftige, (Meinem Vater) her.

    Bin ich zu Zeit damitmich zu beschäftigen Algerien und Indochina im Bereich Modellbau ab 1/72 größe.

    m.K.g. Martin Buchner

  3. Dein Buch habe ich oft gelesen – Deine Blogs ebenso – und jedesmal ist es interessant,lehrreich und bringt mich zum Nachdenken – zumal ich Dich inzwischen persönlich kenne . Also : Lass nicht nach und mach weiter so – Frank

  4. Es tut weh, dieses zu lesen und zu verarbeiten.
    SBA… ich gehöre zu den Glücklichen , die dich erleben durfte.
    Horst Schröter Mlle . 108511 Cpl.

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