Sarajevo 1992 -1993

Eine Frage der Ehre – Sarajevo 1992-1993

 

dragon

 Neuerscheinung  eBook, bei allen online Buch- Händlern erhältlich

80 Seiten – EUR 4,49

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… hier einige kurze Auszüge!

 

“Im Mai 1992 begannen serbische Einheiten mit der Belagerung Sarajevos, der Stadt, in der Kinder über Nacht erwachsen wurden! Aus der Sicht des Menschen und Soldaten möchte ich davon erzählen.” Thomas Gast

Im Juni 1991 brachen in Kroatien heftige Kämpfe aus. Der Grund? Kroatien und Slowenien hatten ihre Unabhängigkeit von Jugoslawien erklärt. Alle diplomatischen Anstrengungen der EU den Konflikt beizulegen schlugen fehl. Ein Drama nahm seinen Lauf.

 

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Im Juni 1991 brachen in Kroatien heftige Kämpfe aus. Der Grund? Kroatien und Slowenien hatten ihre Unabhängigkeit von Jugoslawien erklärt. Alle diplomatischen Anstrengungen der EU, den Konflikt beizulegen, schlugen fehl.  Kaum ein Jahr später, am 03. März 1992 erklärte die Republik Bosnien und Herzegowina ihre Unabhängigkeit von der Sozialistisch Föderativen Republik Jugoslawien und fünf Wochen darauf wurde sie international als unabhängiger Staat anerkannt. Während jedoch die kroatischen und die muslimischen Bosnier bedingungslos für die Unabhängigkeit von Bosnien und Herzegowina einstanden, wurde diese von den bosnischen Serben schlichtweg abgelehnt. Am 02. Mai begannen serbische Einheiten mit der Belagerung der Stadt Sarajevo, der Hauptstadt der Republik. Die jugoslawische Bundesarmee zog in den Folgemonaten hunderte schwere Artilleriegeschütze, Mörser und Panzer auf dem Mont-Igman westlich von Sarajevo und auf den anderen, die Stadt dominierenden Höhenzügen, zusammen. Was folgte war ein mörderischer Krieg im Herzen Europas und ein menschliches Drama ohnegleichen.
Im Rahmen der Schutztruppe der Vereinten Nationen (UNPROFOR) wurde das zweite Fallschirmjägerregiment der Fremdenlegion (2. REP) im Dezember 1992 und im Januar 1993 von Calvi / Korsika nach Sarajevo verlegt. Ich war einer dieser Legionäre. Die sechs Monate hätte ich ebenso in der Hölle verbringen können, denn Sarajevo, von Januar 1992 bis Juli 1993 war ein Inferno. Der emotionale Schock saß von Beginn an sehr tief. Es war nicht die Aussicht verletzt oder getötet zu werden die mich schockierte, sondern das Leid und die Armut auf der einen, und die Methodik, die Gleichgültigkeit und die Unmenschlichkeit auf der anderen Seite. Und schockierend war auch die Tatsache, dass es uns einfachen Soldaten unmöglich war, effizient einzuschreiten um diesem unmenschlichen Konflikt ein Ende zu bereiten. Wir Legionäre beklagten einen Toten, einige schwer- und dreiundzwanzig leicht Verletzte, die Toten und Verwundeten auf Seiten der direkten Kriegsparteien gingen in die Tausende. Aber ob Blauhelme, Kroaten, Bosnier oder Serben: Jedem machte dieser Krieg auch psychologisch zu schaffen.

 

Sarajevo Skizze

 

Fast sechshundert Augenpaare waren auf Colonel Poulet geheftet, als er uns an einem Montag im August 1992 folgendes Versprechen gab.

“Ich werde euch in einen Krieg führen oder dorthin, wo ihr euch beweisen könnt!”

Wer den Regimentskommandeur kannte, der wusste dass es keine leeren Worte waren. Diese Worte waren aber auch zweischneidig. Ich persönlich war felsenfest davon überzeugt, dass unser Kommandeur bereits über einen kommenden Einsatz Bescheid wusste. Warum? Weil der Regimentskommandeur eines 2. REP nicht nur Einfluss hat, sondern auch heiße Drähte, die, über verschiedene Umwege, bis in die Spitze der politischen Entscheidungspyramide reichten. Die oben angesprochene Zweischneidigkeit seiner Worte zu erkennen, das dauerte etwas, doch auch der begriffsstutzigste Legionär hatte den Sinn dahinter bald verstanden. Die Gerüchteküche brodelte heftig, Richtung Osten sollte es gehen, in den Balkan.
Es sollte vielleicht gar kein Kampfeinsatz werden!
Irgendwann stand das Wort dann im Raum

 

UNPROFOR – Menschenrechte, Friedenssicherung, ein humanitärer Auftrag also!

 

T55-crop
Ein psychologischer Krimi bahnte sich an. Zum ersten Mal in der Geschichte der Paras der Légion étrangère sollte das Képi Blanc gegen das blaue Barett der Vereinten Nationen getauscht werden. Einen inneren Konflikt hatte somit fast jeder von uns. Warum?  Nun, wir waren für den Kampfeinsatz gedrillt. Das ergab sich alleine schon aus der Tradition der Fallschirmjäger der Legion. Sie war kurz, aber auch sehr dynamisch und explosiv!

 

Dobrinja

Wir konnten uns ganz einfach nicht vorstellen, welche Aufgaben ein humanitärer Blauhelm Auftrag beinhaltete und was man defacto von uns erwartete. Freunde anderer, nicht- Legionseinheiten, kontaktierten uns, um zu fragen, ob man sich über uns lustig mache, oder was das ganze denn überhaupt solle. Paras Legion und Blauhelm in einem Satz zu nennen, das war sogar für sie die Sonne mit dem Mond vergleichen!

 

… galt es nun Suppe an Menschen zu verteilen, die in langen Warteschlangen standen und ungeduldig darauf warteten? Oder Reissäcke und Decken an den Mann zu bringen? Vielleicht wollte man gar, dass wir Flüchtlingscamps bewachten, also Polizei und Aufpasser spielten? Wir sollten bald Antworten auf all diese Fragen bekommen, denn plötzlich ging alles Schlag auf Schlag.

 

REP FUNKER

…. quasi über Nacht wurden alle Scharfschützen zusammengezogen und weitergebildet. Das war wichtig, weil die meteorologischen Gegebenheiten in Sarajevo anders sein würden als in Frankreich oder noch in Afrika, wo wir sehr oft operierten. Die Temperaturunterschiede von plus 42 Grad Celsius wie sie zum Beispiel in der Zentralafrikanischen Republik oder im Tschad herrschten, und die minus 23 Grad Celsius wie wir sie in Sarajevo erwarteten … das nahm schon einen enormen Einfluss auf die Ballistik. Ich selbst hatte gerade als stellvertretender Lehrgangsleiter das CME F2 organisiert und durchgeführt, wurde aber von Capitaine de Pompignon, meinem Hauptmann, übergangslos zum Lehrgangsleiter für den kommenden Scharfschützenlehrgang der ersten Kompanie nominiert. Es war eine knappe Kiste denn das CME endete freitagnachmittags, der Scharfschützenlehrgang begann montags darauf: Alles militärisch korrekt! Fragen? Keine! – Wegtreten. Langeweile kam also gar nicht erst auf!
Die erste Kompanie organisierte zusätzliche, weiterführende Lehrgänge in der Domäne Orts- und Häuserkampf, Fokus auf Checkpoints, deren Anbringung, Überwachung, Verhalten bei IEDs, Filterung von KFZ und Personen, usw. Uns blieben nur wenige Wochen.
Unsere Jugoslawen, beziehungsweise die Legionäre die der Sprache mächtig waren, waren besonders gefragt, denn sie sollten in ihren Zügen als Dolmetscher fungieren. Jeder Zug hatte mindestens drei oder vier solcher Legionäre. Eine sehr wichtige Rolle sollte unser Major Sabljic (Kroate) einnehmen: Er hatte einen respektablen Dienstgrad, sprach Serbokroatisch, war Diplomat durch und durch, und das alles war Gold wert! Überhaupt, verglichen mit anderen Armeen, hatten wir mit weit mehr Vorteilen aufzuwarten, als nur mit der Maîtrise Linguistik, dem Beherrschen der Sprache. Das wussten wir jedoch bereits aus vorausgegangenen Einsätzen, auch wenn diese nicht unbedingt einen humanitären Charakter besessen hatten. So zum Beispiel lag das Durchschnittsalter unserer erfahrenen Legionäre bei etwa 24 Jahren. Die meisten von ihnen hatten die Feuertaufe (Kampfeinsatz) schon hinter sich, und viele hatten sich bereits im Zivilleben ausgezeichnet und bewährt. Und genau das benötigten wir nun im kommenden, humanitären Kontext ganz dringend.

 

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Maybe Airlines

„Vielleicht Fluglinie“, so nannte man damals schon die Flotte, die den Flughafen mit Hilfsgütern, Journalisten oder Soldaten an Bord anflog, oder eben nicht. Es waren hauptsächlich französische C- 160 Transall (auch einige deutsche), kanadische C-130 Herkules, oder russische Iliouchines. Das Verhaltensmuster aller Maschinen war gleich. Hohe Annährungsphase, abrupter Sinkflug bis zum Aufsetzen, schnelles bremsen, noch schnelleres entladen ohne dass die Propeller aufhörten sich zu drehen und sofortiger Abflug im höchsten Tempo! Die Annährungsphase, der Sarajevo Approach war um einiges steiler, als jeder normale Anflug. Saßen die Piloten im Cockpit, so sahen sie nur den Boden der mit wahnsinniger Geschwindigkeit auf sie zu raste, und das war vielleicht besser so, denn so bekamen sie nicht immer mit, wie Leuchtspurmunition sich nach oben, ihnen entgegen schlängelte. In Ilidza lauerte die Flugabwehr der Serben, meist in Form von einem oder mehreren ZSU 23 /4 Geschützen. Das sind russische Flakpanzer die aus vier Rohren gleichzeitig feuern können. Einige Piloten haben damit bereits Bekanntschaft gemacht. Manchmal wurden die Einschusslöcher aber erst bemerkt, als sie am Heimatflughafen wieder landeten und das Adrenalin verbraucht war.

 

Counter Sniping

 … die serbischen und bosnischen Sniper schossen einmal, zweimal und wechselten dann die Stellung, ja sogar das Stockwerk. Ihr Fehler jedoch war, dass sie kaum jemals das Gebäude wechselten. Unsere Stunde war gekommen! (Thomas Gast)

Wenn man sich auf der Karte den Flughafen Sarajevo und dessen 360 Grad Umgebung ansah, so stach ganz deutlich ins Auge des Betrachters, dass nur einige wenige Gebäude und Landschaftsformen in Frage kamen, aus denen die verschiedenen Kriegsparteien uns mit Sniperfeuer belegen konnten. Dobrinja gehörte eindeutig dazu! Der Stadtteil grenzte im Nordnordosten direkt an den Flughafen an. Seine Häuserfront war total zerstört. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass kaum 1000 Meter weiter östlich serbische T-55 in Stellung lauerten und Dobrinja selbst jeden Tag Schauplatz von Angriff auf Gegenangriff war.

 

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IMPRESSUM
Autor Thomas Gast
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