Weißer Jäger, schwarzes Land

Mein Afrikaroman SPANISH Boyard (eBook, ePUB) ist ab sofort in einer aktuelleren Version verfügbar. Titel und Cover haben sich geändert. Aus Spanisch Boyard wurde „Weißer Jäger, schwarzes Land.“ Der Text ist anspruchsvoller, die Kapitelgestaltung übersichtlicher, die Geschichte einen „Tick“ spannender!

FINAL COVER WJSL

Ohne es zu wollen, ist sicher auch das daraus geworden, was ich so nicht im Sinn hatte:

… eine auch für Männer interessante Lektüre für Frauen!

Ich denke, die Korsin Davia Mariotti wird die Herzen der Leserinnen im Sturm erobern. Ich wollte eine bärenstarke, sensible Frau. Eine, mit einer interessanten Vergangenheit. Und mit einer ungewissen Zukunft. Die sie begleitenden Protagonisten stehen ihr um nichts nach, doch lesen Sie selbst …

Hier ein kurzes Exposé

Erzählt wird, wie erwähnt, die Geschichte der Davia Mariotti.

Zusammen mit Sedgewick, einen in Korsika „gestrandeten“, britischen Seemann, begibt sich die blutjunge, reiche und nicht unattraktive Korsin Davia auf die Suche nach ihrem, in Afrika verschollenen, Vater. Nicolas, der Sohn eines korsischen Weinbauers, schließt sich ihnen in letzter Minute an. Die Spur führt sie tief hinein in den schwarzen Kontinent, dorthin, wo Davia einst eine glückliche Kindheit verbrachte. Schon bald entbrennt zwischen Nic und Davia eine leidenschaftliche Zuneigung, doch auch der Afrikaner Prince, der “König der Diebe”, Davias erste Jugendliebe, buhlt um ihre Gunst. Prince spürt sofort, dass Nic nicht der ist, der er vorgibt zu sein. Warum, so stellt er sich zu Recht die Frage, hat Nic sich Davia völlig uneigennützig angeschlossen?

Davias Vater Léon, der Korsika wegen eines Mordes verlassen musste, den er nicht begangen hat, legt eine Spur, die quer durch den afrikanischen Kontinent führt. Die Afrikaner nennen den geheimnisvollen Korsen ehrfürchtig “Cawaga-Chaka”. Cawaga-Chaka ist ein von ihnen verehrter Großwildjäger und ein knallharter, gewiefter Waffenhändler, er zeichnet sich aber durch Humanität und durch menschliche Wärme aus.

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Zur selben Zeit verunsichert Eisenmann, ein von der Apartheid geprägter, hasserfüllter Südafrikaner einen ganzen Landstrich in Zentralafrika. Sein Business? Der Handel mit Elfenbein, Waffen und Sklaven! Sein Erfolgskonzept? Der Terror!

Mit seinen Askaris gelingt es Léon Mariotti, Eisenmann das Handwerk zu legen und ihm das Geschäft aus der Hand zu reißen. Eisenmann muss fliehen.

Sedge, Davia, Nic und Prince, immer noch auf der Suche nach Léon, stürzen sich derweil von einem Abenteuer ins Nächste. Ihre Wege kreuzen die des Despoten Eisenmann, der hierin eine Chance sieht, sich an Léon zu rächen. Er entführt Davia, sendet eine Nachricht an Léon Mariotti, stellt ihm ein Ultimatum.

Die Geschichte endet in Spanish Boyard, einer entlegenen, von Menschen gemiedenen Hochburg von Verbrechern mitten im Busch Schwarzafrikas. Niemand jedoch ahnt, welch furchterregende Ereignisse dort auf sie lauern.

Anmerkung des Autors: Der Roman ist an manchen Stellen wie der schwarze Kontinent zur damaligen Zeit: mild und zauberhaft wie ein Sonnenaufgang in der Savanne, aber auch brutal und grausam. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen: GST

 

LESEPROBEN

Hier eine Leseprobe aus der Zeit, in der Davia als junges Mädchen kurz davor stand, Afrika zu verlassen. Dass sie eines Tages zurückkommen würde, schien völlig ausgeschlossen, doch genauso kam es, wie wir später noch sehen sollen.

»Stimmt es, was er gesagt hat?« fragte Prince und fuhr bewundernd mit seinen Fingerspitzen über das schwarze blank polierte Leder der Armeestiefel. Er hatte die Angewohnheit, jeden einzelnen Satz durch eine ihm eigene, theatralische Gestik zu unterstreichen. Eine Gestik, die fast schon komisch wirkte.
Davia war zunächst zu entsetzt, um zu antworten. Ihre Mutter, Patti, hatte gestern Abend schon mit ihr gesprochen, aber sie hatte Sie einfach nicht ernst genommen. Erst als sie vor wenigen Minuten den Polen mit dem Armeefahrzeug erspäht hatte, fiel ihr die Wahrheit wie Schuppen von den Augen.
»Du solltest ihm die Stiefel und den Rest besser gleich zurückgeben«, sagte sie mit belegter Stimme. »Sonst kommen Onkel Rons Soldaten und man steckt dich wieder ins Gefängnis.«
»Du hast meine Frage nicht beantwortet«, beharrte Prince. »Stimmt es, dass du Bangui für immer verlässt?«
Anstelle einer Antwort sah Davia sich bedächtig nach allen Seiten um. Sie kam sich plötzlich nackt und verwundbar vor. Während eine einzelne Träne über ihre Wange kullerte, atmete sie tief ein und schloss dabei fest ihre Augen. Sie liebte diesen Ort und es schmerzte sie in der Seele, ihn verlassen zu müssen. Sie liebte ihn deshalb, weil sie hier so sein durfte, wie sie war: Einfach, unbekümmert und frei! Es gab keine Regeln, nur die, authentisch zu sein. Nie hatte sie hier lügen müssen, und niemand den sie hier kannte, hatte jemals von ihr verlangt, sich für irgendetwas zu rechtfertigen. Die Menschen teilten das Wenige, das sie besaßen und sie waren ehrlich. Natürlich wurde gestohlen. Ja, Diebstahl war sogar eine Art Sport der meisten Godobes, die sich darin gegenseitig übertreffen wollten. Doch es war für sie auch eine Notwendigkeit, was natürlich kein Europäer je verstehen würde!
Davia aber, so jung sie war, wusste das, weil sie oft zuhörte, wenn Onkel Ron und ihre Eltern sich unterhielten. Und Onkel Ron, mehr als jeder andere Weiße in der Stadt, wusste immer, wo’s lang ging. Nie hatte sie seine Worte infrage gestellt. Ihre Stunden hier waren gezählt. Ohne Zweifel!
In ihren Tagträumen hatten sie und Prince vorgehabt, eine Farm zu gründen. Schweine, Rinder und sogar Schafe wollten sie züchten. Sie konnte sich gar nicht mehr daran erinnern, wie oft sie und Prince sich diesem Traum hingegeben hatten. Den Traum, eines Tages erwachsen und unabhängig zu sein. Den Traum, keinen Gesetzen außer ihren eigenen gehorchen zu müssen. Sie hatten sich ausgemalt, Sklaven zu haben, die auf den Feldern und Plantagen Tabak pflanzten und denen sie dann, wenn sie ihrerseits erwachsen waren, die Freiheit schenken würden. Eines Tages hatten sie sogar Hochzeit gespielt und herbe Grashalme, anstatt der Ringe um ihre Finger gewickelt.
Nun waren diese Träume dahin.
»Ich komme wieder«, sagte sie in Tränen aufgelöst, mehr zu sich selbst. Prince starrte lange Zeit ungläubig auf das Mädchen, das mit nackten Füßen und feuchten Wangen vor ihm im Dreck stand. Sein Blick glitt über das verzottelte, dunkelbraune, fast schwarze Haar. Er sah auf die kleine Stupsnase und betrachtete schließlich den zierlichen Hals, der ihn, ohne dass er genau sagen konnte warum, immer so an ihr fasziniert hatte. Er suchte in Davias Haltung nach dem Ansatzpunkt, nach einer vertrauten Geste, die ihm sagen sollte, dass alles nur ein Irrtum sei.
Sicherlich log sie! Es musste einfach so sein. Natürlich log sie! Kleine Mädchen wussten nie so recht mit der Wahrheit umzugehen. Ohne sich dessen bewusst zu werden, zog er aus seinem zerrissenen Hemd ein Schmuckstück hervor. Er hatte es von einem toten Schamanen stibitzt, den sie eine Stunde später auf einem Scheiterhaufen feierlich verbrannt hatten.
Er hielt es ihr vors Gesicht.
»Gehört dir. Vergiss aber unseren Traum nicht. Wir sind unzertrennbar. Das mit dem Ring aus Gras war mein voller Ernst.«
Zuerst wusste Davia nicht, wie sie reagieren sollte. Sie hatte immer gedacht, dass er ihre kindischen Spiele nie so ernst genommen hatte. Zumindest hatte er nie den Eindruck erweckt, dass ihr beider Traum in seinem Leben wirklich eine große Rolle spielte. Doch jetzt?
Sie musste Gewissheit haben.
»Du machst dich nicht über mich lustig?«
Auf ihrer Stirn erschien ein roter Fleck, der von der Aufregung herrührte. Prince kam ihr manchmal vor wie ein Träumer, der was er heute tat oder sagte, morgen längst wieder vergessen hatte.
»Ich… Ich meine es ernst!« sagte er nur und starrte sie wütend an.
»Nimm es und geh. Der Teufel soll dich holen, wenn du mir nicht glaubst, Davia Mariotti!«
Erst jetzt sah er, wie nahe sie den Tränen war und hätte sie am liebsten in seine Arme genommen. Dazu aber fehlte ihm der Mut. Zu viele Augenpaare waren auf sie gerichtet.
Ohne ein weiteres Wort, griff Devi nach dem Schmuckstück und lief los.
Prince sah ihr lange Zeit nach, wie sie aufrecht aus der Kouanga von dannen zog.
»Ich werde Präsident sein, wenn du wieder kommst!« schrie er ihr plötzlich laut hinterher, während auch seine Augen sich langsam mit Tränen füllten. »Präsident oder König der Diebe!«

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Wir begleiten die Protagonisten nun einen Schritt weiter, folgen Davia nach Korsika. Sie, bereits eine junge Frau, hat soeben erfahren, dass sie, vermutlich von ihrem verschollenen Vater, ein immenses Vermögen und eine Farm in den Bergen Korsikas geerbt hat. Zusammen mit ihrem Kompagnon, den Seemann Sedgewick macht sie sich auf den Weg dorthin. Was sie vorfinden ist grandios. Davia möchte Olivenbäume züchten, das Öl verkaufen, doch sie hat die Rechnung ohne die Korsen gemacht. Und sie lernt Nic kennen. Im Buch endet das Kapitel damit, dass sie ein verstecktes Grab finden. In ihm, eine mysteriöse Nachricht ….. 

»Das mit dem Traktor war nur der Anfang«, sagte Sedgewick gedehnt und spuckte angewidert aus. »Und wenn sie sagen, die Ölpresse, beziehungsweise die Mühle ist kaputt, meinen sie damit, wir sollen von hier verschwinden oder Schutzgelder zahlen!«
»Schutzgelder? Ich denke nicht daran. Wenn wir einmal zustimmen, nimmt es kein Ende und sie verlangen jedes Jahr mehr.«
Sedgewick schüttelte vehement den Kopf.
»Tun sie nicht. Du musst bedenken, dass wir Fremde sind«, sagte er nachdenklich. »Die Leute kennen uns nicht. Sie haben Angst, dass du ihnen den Markt wegnimmst und insofern haben sie recht. Sie rackern sich das ganze Jahr lang ab, erzeugen ein gutes Öl, verkaufen es teuer und leben mit dem Ertrag ruhig bis zum nächsten Jahr. Und nun kommst du mit deinen Ambitionen und machst all ihre Arbeit zunichte. Glaubst du etwa, es hätte sich nicht längst rumgesprochen, dass du den Arbeitern fast doppelt so viel zu zahlen gewillt bist, als es hier Usus ist? Sicherlich, und oh Davia ich kenne dich, wirst du dein Öl zu Billigpreisen verkaufen, und schon steckst du mitten in einem Kleinkrieg. Schon mal was von Vendetta gehört?«
»Ja, und?«
»Wenn sie erst damit beginnen, wird sie solange andauern, bis du mit der Nase im Dreck liegst.«
»Und was schlägst du vor, Klugscheißer? Soll ich vor Ihnen kuschen?«
»Du sollst nicht vor irgendjemandem kuschen, du sollst nur mal darüber nachdenken«, erwiderte Sedgewick stur. »Wir kapseln uns ab, suchen auf dem Land das ihnen gehört Profit und lassen sie draußen vor der Tür im kalten Regen stehen. Ich verstehe ihren Zorn. Und noch haben wir es nur mit den benachbarten Farmern zu tun. Warte mal, wenn erst die Korsische Nationale Befreiungsfront persönlich uns den Maurenkopf in die Olivenbäume ritzt. Dann ist Schluss mit lustig.«
»Das Land gehört mir«, protestierte Davia lautstark.
Sie funkelte Sedgewick zornig an. »Niemand kann mir einen Strick daraus drehen, dass ich es nicht verkommen lasse und gleichzeitig dazu noch ein bisschen diese Wüstenwirtschaft ankurbele.« Sie machte eine weit ausholende Geste. »Schließlich bin ich Korse und … «
»Das Land hat immer Ihnen gehört, Davia!« fuhr Sedgewick energisch dazwischen. »Ob nun dein Name auf irgendeinem Stück Papier steht oder nicht. Im Übrigen, der einzige Klugscheißer den es hier gibt, bist du, denn deine Mutter war Französin. Dein Vater war ein verdammter Weltenbummler dessen Knochen längst morsch oder zu Staub verfallen sind oder irgendwo in der Sonne bleichen, und du selbst bist irgend so ’n Mittelding, das man nirgends zuordnen kann. So viel zu … ich bin Korse.«
Sedgewick redete noch eine Weile so weiter, bis er entsetzt feststellte, dass Davia leise weinte. Überrascht und gleichzeitig beschämt trat er auf sie zu und legte ihr die Hand auf die Schulter. Er wollte ihr sagen, wie Leid ihm tat, was er eben gesagt hatte, doch sie gab ihm nicht die Gelegenheit dazu.
»Ich bin ich, Sedge«, schrie sie erzürnt und fegte wütend seine Hand beiseite. »Warum hört es nicht auf. Warum hört Ihr nicht damit auf?« Daraufhin stürmte sie mit wehenden Haaren davon.
Vorbei an bizarren Felsformationen in dessen Wände Bussarde ihre Nester gebaut hatten, folgte sie einem alten, kaum mehr sichtbaren Ziegenpfad, bis sie eine Anhöhe zwischen zwei Gipfeln erreicht hatte. Der nördlich abfallende Hang dieser Anhöhe war mit grünem, sattem Gras bewachsen. Von hier hatte man einen herrlichen Ausblick über das Meer, das zu dieser Tageszeit tiefblau erschien und auf dessen vom Wind gepeitschten Kronen die weiße Gischt wie Puderzucker auf einem frisch gebackenen Heidelbeerkuchen aussah. Mitten in dieser Graslandschaft stand eine Bank aus Stein. Diese Bank passte so perfekt in die Landschaft, dass Davia bei ihrem Anblick unweigerlich der Gedanke kam, die Götter hätten sie dort hingestellt. Sicher um sich von ihrer schöpferischen Arbeit zu erholen. Sie lachte, doch ihr Lachen hatte einen bitteren Beigeschmack.
»Berge, Wälder, und Bänke die unnütz in der Gegend herumstehen, das war wohl euer Meisterstück«, schrie sie gegen den Wind, der vom Meer her in ihr Gesicht blies. »Hättet ihr etwas mehr Umsicht besessen, und euer Können gezielter eingesetzt, gäbe es keine Mitteldinger so wie mich!«
Sie erschrak heftig, als das Echo ihrer eigenen Stimme wie ein Donnergrollen über den Hang hinwegfegte, doch sie fühlte sich befreit. Ein Geräusch in ihrem Rücken ließ sie herumfahren. Zunächst dachte sie, Sedge wäre gekommen um sich bei ihr zu entschuldigen, doch vor ihr stand ein wildfremder Mann. Er schien weder verwundert, noch konnte Davia in seinem Blick so etwas wie Belustigung entdecken. Er war einfach nur da und musterte sie, warum, das wusste der Teufel. Einige lange Sekunden, die ihr wie eine Ewigkeit erschienen, standen sie sich abschätzend gegenüber, bis er endlich das Wort ergriff.
»Hätte ich damals helfen können die Welt zu erschaffen, wären Berge und Wälder nur Randfiguren und Sie mein Meisterstück.«
Während sein Blick intensiver wurde, und neugierig über ihr Gesicht und ihren Körper glitt, strich er sich mit einer Hand durchs schulterlange Haar. Es war kastanienbraun und im Nacken von einem Lederband gebändigt.
… und Sie mein Meisterstück?
Davia war sprachlos. Auf der einen Seite fühlte sie sich geschmeichelt, denn nie hatte sie ein Mann so mit Blicken fast ausgezogen. Aber auf der anderen Seite war sie auch wütend.
Er macht sich doch nur über mich lustig!
Dessen ungeachtet konnte sie nicht verhindern, dass ein angenehm wohliger Schauer sie von Kopf bis Fuß durchschüttelte. Dass ihr der Fremde sympathisch war, nahm sie beiläufig zur Kenntnis.
»Nicolas«, stellte er sich vor und reichte ihr die Hand. »Soviel ich weiß, sind wir Nachbarn. Ihr Freund, der Matrose, hat mir einiges über Sie erzählt und da dachte ich mir, dass es an der Zeit wäre, Ihnen meine Dienste anzubieten.«
»Sedge hat ..?« Davia stockte.
Nicolas grinste in seinen Bart.
»Nun«, schmunzelte er. »Nicht was Sie jetzt vielleicht denken. Wir hatten kein typisches Männergespräch ….

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